Geschichte und Name: Warum heißt das Spiegelei Spiegelei?
Das Spiegelei heißt vermutlich so, weil der runde, glänzende Dotter im weißen Eiklar an einen kleinen Spiegel erinnert. Das Wort gilt als Bildung des 18. Jahrhunderts. Daneben gibt es Ochsenauge und Setzei, in der Schweiz Stierenauge. Viele andere Sprachen benennen das Gericht ebenfalls nach dem Auge, andere nach dem Braten oder nach der Pfanne.
Die Etymologie: Spiegel, Auge, Setzen
Im Deutschen gibt es für dasselbe Gericht mehrere Bilder. Beim Ochsenauge sitzt der Dotter wie eine Pupille im Weiß des Eiklars. Das Wort ist bis heute in Bayern und Österreich lebendig und hat Verwandte in halb Europa. Das Setzei beschreibt den Handgriff: Das Ei wird in die Pfanne gesetzt und in Ruhe gelassen, anders als beim Rührei. Beim Spiegelei, dem heute üblichen Wort, ist wohl der Glanz gemeint. Der Dotter eines frisch gebratenen Eis ist prall und reflektiert das Licht wie eine kleine gewölbte Spiegelfläche. Sicher ist diese Deutung nicht, auch die etymologischen Wörterbücher formulieren sie vorsichtig.
Johann Christoph Adelung erklärt in seinem Wörterbuch (1793 bis 1801) unter "Ochsenaugen" Eier, die auf zerlassene Butter geschlagen werden, sodass der Dotter ganz bleibt, und nennt dazu das niederdeutsche "Spiegelkuchen". Das Spiegel-Bild war also am Ende des 18. Jahrhunderts schon in der Küche angekommen. Wann und wo das Wort Spiegelei entstand, ist nicht bekannt. Das schweizerische Stierenauge folgt demselben Bild wie das Ochsenauge.
Der Name in anderen Sprachen
In der Tabelle wiederholen sich ein paar Bilder: das Auge, der Spiegel, der Stern und schlicht das Braten in der Pfanne.
| Sprache | Wort | Wörtlich |
|---|---|---|
| Deutsch | Spiegelei, Setzei, Ochsenauge, Stierenauge (CH) | Spiegel-Ei, gesetztes Ei, Ochsenauge |
| Niederländisch | spiegelei, gebakken ei | Spiegel-Ei, gebackenes Ei |
| Dänisch | spejlæg | Spiegel-Ei |
| Ungarisch | tükörtojás | Spiegel-Ei |
| Französisch | œuf au plat, œuf sur le plat, œuf miroir | Ei auf der Platte, Spiegel-Ei |
| Italienisch | uovo all'occhio di bue, uovo fritto | Ei nach Art des Ochsenauges, gebratenes Ei |
| Tschechisch | volské oko | Ochsenauge |
| Spanisch | huevo frito, huevo estrellado | gebratenes Ei, Stern-Ei |
| Portugiesisch | ovo estrelado | Stern-Ei |
| Englisch | fried egg, sunny side up | gebratenes Ei, Sonnenseite oben |
| Polnisch | jajko sadzone | gesetztes Ei |
| Türkisch | sahanda yumurta | Ei im Sahan (flaches Pfännchen) |
| Japanisch | 目玉焼き medamayaki | gebratener Augapfel |
| Chinesisch | 煎蛋 jiān dàn, 荷包蛋 hébāodàn | gebratenes Ei, Beutel-Ei |
Das Auge taucht im Deutschen, Italienischen, Tschechischen und Japanischen auf. Den Spiegel kennen das Niederländische, das Dänische und das Ungarische, dort vermutlich als Lehnübersetzung aus dem Deutschen, und auch die französische Küchensprache hat mit dem œuf miroir ein Spiegel-Ei. Die iberischen Wörter werden meist mit dem Stern (estrella) erklärt, weil das Eiklar in heißem Öl zackige Ränder bildet. Gesichert ist diese Herleitung nicht, denn "estrellar" heißt im Spanischen auch "zerschlagen". Wie die Länder ihr Ei braten, steht unter Spiegelei weltweit.
Kulturgeschichte: vom Feuer zur Pfanne
Antike
Eier lassen sich auf jedem heißen Stein garen, das Braten dürfte also so alt sein wie die Hühnerhaltung. Das Haushuhn stammt aus Südostasien und erreichte den Mittelmeerraum vermutlich im frühen ersten Jahrtausend vor Christus. Die Römer hielten Hühner in großem Stil und hatten flache Pfannen aus Bronze und Eisen. Im Kochbuch, das unter dem Namen Apicius überliefert ist (De re coquinaria), stehen "ova frixa", gebratene Eier, mit einer Sauce aus Wein und Garum. Ob sie unserem Spiegelei glichen, weiß niemand, denn das Rezept besteht aus einer Zeile.
Mittelalter und frühe Neuzeit
Im Mittelalter waren Eier Alltagsnahrung und auf dem Land auch Abgabe an den Grundherrn. In der strengen Fastenzeit waren sie lange verboten, was die vielen Eier zu Ostern erklärt. Deutsche Kochbücher des 16. Jahrhunderts, etwa das der Sabina Welserin von 1553, enthalten Eierspeisen, meist verrührt, gefüllt oder gebacken. Das einzelne gebratene Ei war vermutlich zu selbstverständlich, um es aufzuschreiben. Zu sehen ist es in der Malerei. Diego Velázquez malte 1618 die "Alte Frau beim Eierbraten", auf der zwei Eier in einer Tonschale über einem Kohlebecken garen.
Bürgerküche
Im 18. und 19. Jahrhundert ersetzten geschlossene Herde mit Eisenplatte nach und nach das offene Feuer, und die Hitze ließ sich besser regeln. In den bürgerlichen Kochbüchern des 19. Jahrhunderts, etwa Henriette Davidis’ "Praktischem Kochbuch" (ab 1845), gehören Spiegel- oder Setzeier zum Grundbestand, allein oder als Auflage auf Spinat, Bratkartoffeln und Brot. Der Stramme Max kam später dazu, der Name ist vermutlich seit den 1920er Jahren gebräuchlich.
Das Spiegelei in Kunst und Popkultur
Ein gelber Kreis in einer weißen Fläche ist schnell gezeichnet und sofort erkannt, das macht das Spiegelei zu einem dankbaren Motiv. Salvador Dalí malte 1932 "Œufs sur le plat (sans le plat)", wörtlich "Spiegeleier auf der Platte (ohne die Platte)". Zwei Eier liegen auf einem Teller, ein drittes hängt an einer Schnur in der Luft. Dalí schrieb in seiner Autobiografie, er erinnere sich an Bilder aus der Zeit vor seiner Geburt, darunter zwei Spiegeleier in einer Pfanne ohne Pfanne. Das Motiv kehrt in mehreren seiner Bilder wieder. Heute zeigt auch das Emoji für Kochen eine Pfanne mit Spiegelei.
Redewendungen gibt es eher zum rohen Ei. Das "Ei des Kolumbus" meint eine verblüffend einfache Lösung. Der Legende nach brachte Kolumbus ein Ei zum Stehen, indem er die Spitze eindrückte. Wer mehr über Eier und ihre Küchengeschichte lesen will, findet hier einen Buchtipp.
Für die Praxis rechnet der Spiegelei-Assistent Hitze und Zeit für deine Pfanne aus, die Methode steht unter Das perfekte Spiegelei.
Häufige Fragen zu Name und Geschichte
Seit wann gibt es das Wort Spiegelei?
Es gilt als Bildung des 18. Jahrhunderts. Adelungs Wörterbuch (1793 bis 1801) beschreibt das Gericht unter "Ochsenaugen" und nennt das niederdeutsche "Spiegelkuchen". Das Gericht selbst ist deutlich älter, gebratene Eier stehen schon im römischen Apicius-Kochbuch.
Warum heißt das Spiegelei in der Schweiz Stierenauge?
Aus demselben Grund wie Ochsenauge in Bayern: Der gelbe Dotter im weißen Eiklar sieht aus wie ein Tierauge. Dasselbe Bild nutzen das Italienische (occhio di bue), das Tschechische (volské oko) und das Japanische (medamayaki, gebratener Augapfel).
Was hat Salvador Dalí mit Spiegeleiern zu tun?
Dalí malte 1932 "Œufs sur le plat (sans le plat)", Spiegeleier auf der Platte ohne die Platte, und griff das Motiv mehrfach auf. Er verband es nach eigener Aussage mit Bildern aus der Zeit vor seiner Geburt.