Die Lehre vom Spiegelei

Temperatur und Hitze: warum das Spiegelei niedrige Hitze braucht

Ein Spiegelei gelingt bei etwa 120 bis 150 °C Pfannentemperatur, auf den meisten Herden ungefähr Stufe 4 von 9. Eiklar beginnt bei etwa 62 °C zu stocken, ist um 70 °C weiß und zart und wird erst um 80 °C ganz fest. Der Dotter dickt ab etwa 65 °C ein. Ab etwa 140 °C bräunt die Unterseite, darüber wird das Eiweiß zäh.

Das Ei selbst muss nur auf 70 bis 80 °C kommen. Die Pfanne muss heißer sein, weil die Wärme von unten durch das Eiklar nach oben wandern muss. Um den Dotter ist es bis zu einem Zentimeter dick, und Ei leitet Wärme schlecht. Bei rund 130 °C ist die Oberseite nach etwa drei Minuten gestockt und die Unterseite höchstens hellgolden. Bei über 200 °C ist unten alles braun, lange bevor oben etwas passiert.

Was im Ei bei welcher Temperatur passiert

TemperaturWas passiert
62 bis 65 °CDas erste Eiklar-Protein (Ovotransferrin) entfaltet sich, das Eiklar wird trüb und beginnt zu stocken
65 °CDotter beginnt einzudicken, wird cremig
70 °CEiklar weiß und zart gestockt, aber noch weich. Dotter wachsweich
80 °CAuch das Hauptprotein Ovalbumin stockt, das Eiklar ist ganz fest. Dotter wird trocken und krümelig
100 °CWasser verdampft, das Eiweißgel zieht sich zusammen und wird gummiartig
ab etwa 140 °CMaillard-Reaktion, die Unterseite bräunt und bekommt Röstaromen
ab etwa 180 °CRand wird dunkelbraun und hart, schließlich bitter

Unter etwa 140 °C wird das Ei gar, ohne braun zu werden. Wer den Rand knusprig mag, geht knapp darüber. So weit liegen Sunny Side Up und das knusprige Ei der spanischen Küche auseinander.

Herdstufe in Grad: eine grobe Orientierung

Herde zeigen Stufen an, keine Grad. Die Tabelle übersetzt das grob, für eine leere beschichtete Pfanne nach zwei bis drei Minuten auf einem Herd mit 9 Stufen. Platte, Leistung und Pfannenboden verschieben die Werte deutlich, und mit dem Ei kühlt der Boden erst einmal ab. Im Zweifel gelten Wassertropfen und Butter.

Stufe (von 9)Pfannenboden, grober RichtwertWofür
160 bis 80 °CWarmhalten
280 bis 100 °CButter schmelzen
3100 bis 130 °CSehr sanftes Spiegelei, 5 Minuten und mehr
4130 bis 150 °CSpiegelei, Standard
5150 bis 170 °CLeicht knuspriger Rand, Over Easy
6170 bis 190 °CButter bräunt sofort, für Ei zu heiß
7190 bis 210 °CBratkartoffeln, Gemüse
8210 bis 240 °CFleisch anbraten
9240 °C und mehrWok, Steak

Grobe Richtwerte, keine Messwerte. Dünne Pfannen werden heißer, Gusspfannen brauchen länger. Stufe 4 von 9 entspricht etwa 2½ bis 3 von 6 und etwa 6 von 14.

Je Herdart: Stufe und Vorheizzeit

HerdartEmpfohlene StufeVorheizen (beschichtet)Besonderheit
Induktion4 von 930 bis 60 SekundenReagiert in Sekunden, kaum Nachwärme. Eine Stufe tiefer anfangen als von Ceran gewohnt.
GasKleine bis mittlere Flamme, die unter dem Boden bleibtetwa 1 MinuteDünne Pfannen bekommen über der Flamme heiße Stellen. Ein dicker Boden gleicht das aus.
Ceran / Glaskeramik4 bis 5 von 9etwa 2 MinutenTräge, speichert Wärme. Kurz vor dem Ei eine Stufe runter.
Gusskochplatte4 von 93 bis 4 MinutenSehr träge. Auf 5 vorheizen, mit dem Ei auf 3 zurück.

Edelstahl und Carbon brauchen etwa eine Minute länger, Gusseisen zwei bis drei. Mehr unter Induktion, Gas, Ceran und Welche Pfanne.

Der Wassertropfen-Test

Ein Thermometer brauchst du nicht. Schnipp ein paar Tropfen Wasser in die trockene, vorgeheizte Pfanne.

  • Der Tropfen bleibt liegen und verdunstet langsam. Unter 100 °C, zu kalt. In Edelstahl würde das Ei jetzt kleben, warte noch eine Minute.
  • Der Tropfen zischt und ist nach ein bis zwei Sekunden weg. Etwa 120 bis 160 °C, so soll es sein. Fett hinein, Ei hinterher.
  • Der Tropfen wird zur Kugel und tanzt über den Boden. Das ist der Leidenfrost-Effekt ab etwa 190 bis 200 °C, der Tropfen schwebt auf seinem eigenen Dampf. Gut fürs Steak, zu heiß fürs Spiegelei. Pfanne kurz vom Herd, herunterdrehen, neu testen.
Butter ist das zweite Thermometer. Schäumt sie, hat die Pfanne über 100 °C. Bräunt sie binnen Sekunden, sind es um 150 °C oder mehr. Das Ei gehört in die schäumende Butter. Mehr unter Fett: Butter, Öl oder Schmalz.
Zu heiß geworden? Pfanne kurz vom Herd, zwei Stufen tiefer, zurück. Wie es gar nicht erst passiert, steht unter Rand verbrannt. Der Spiegelei-Assistent rechnet Herd, Pfanne und Dotterwunsch in eine konkrete Stufe um.

Häufige Fragen zur Temperatur

Welche Temperatur braucht ein Spiegelei?

Der Pfannenboden sollte etwa 120 bis 150 °C haben. Das Ei selbst muss nur auf 70 bis 80 °C kommen, Eiklar stockt ab etwa 62 °C, der Dotter ab etwa 65 °C. Ab etwa 140 °C bräunt die Unterseite.

Welche Herdstufe für Spiegelei?

Stufe 4 von 9 auf Induktion, Ceran und Kochplatte, bei Gas eine kleine bis mittlere Flamme unter dem Pfannenboden. Für knusprige Ränder Stufe 5.

Warum wird das Spiegelei unten braun, aber oben nicht fest?

Die Pfanne ist zu heiß. Bei 200 °C bräunt die Unterseite, bevor die Wärme oben ankommt. Bei 130 bis 150 °C stockt die Oberseite, bevor unten die Bräunung einsetzt.

Bei welcher Temperatur stockt Eiweiß?

Eiklar beginnt bei etwa 62 bis 65 °C zu stocken und ist um 70 °C weiß und zart. Ganz fest wird es erst um 80 °C, wenn auch das Hauptprotein Ovalbumin stockt. Der Dotter dickt ab etwa 65 °C ein und ist um 70 °C wachsweich.